Liebe Scholé-Freunde
Lesen/Denken ist Abenteuer im Kopf – diesem Werbespruch kann ich nur zustimmen. Woher kommen also die Einwände gegen die Freude am Denken? Sie lassen sich nur durch den derzeit allgegenwärtigen Missbrauch des Denkens erklären.
Die guten alten Regeln der Logik sind offenbar in Vergessenheit geraten.. Bei vielen aktuellen Diskussionsthemen sind die Positionen so festgefahren, dass man sich logische Gegenargumente von vornherein sparen kann. Das hohe Ziel der Aufklärung, die Befreiung der Menschen von der Bevormundung durch Kirche und Staat, hat seine Strahlkraft verloren – weshalb? Weil der Verstand erst in Kombination mit dem freien Willen zur Vernunft wird, dem Hauptcharakteristikum des Menschen, das ihn von anderen Lebewesen unterscheidet.
Vernünftiges, also freies Denken macht Freude. Es hat die wissenschaftlichen, technischen, rechtlichen und politischen Fortschritte hervorgebracht, deren Früchte wir heute genießen. Freies Danken ist seiner Natur nach individuell, folgt jedoch verbindlichen Regeln, um die Kommunikation mit anderen individuellen Denkern zu erleichtern. Gruppendenken existiert eigentlich gar nicht, es geschieht nur leider häufig, dass Menschen ihr Naturrecht auf freies individuelles Denken aus Angst, Faulheit und/oder Feigheit an Obrigkeiten delegieren.
“Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen”, mahnte deshalb der große Erkenntniskritiker Immanuel Kant, wohl wissend, dass es Erkenntnis und Moral nur im Singular gibt. Verantwortung für sein Denken, Reden und Tun kann nur der Einzelne tragen, sofern seinen Gedanken, Worten und Taten eine freie, informierte Entscheidung zugrunde lag.
Die vier Grundregeln des Denkens
Wann ist uns das freie Denken abhanden gekommen? Wann haben wir vergessen, dass auch das Sprachspiel wie jedes Spiel seinen Sinn verliert, wenn die Spieler sich nicht mehr an die Regeln halten?
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Regel 1: die genaue Begriffsdefinition. Wie nützlich und hilfreich ist es für uns, dass Generationen gewissenhafter Forscher fast alle Pflanzen und Tiere dieser Erde systematisch beschrieben, klassifiziert und mit lateinischen Namen versehen haben!
Wie ärgerlich ist es dagegen, dass eine Substanz, die sämtliche Merkmale eines Gentherapeutikums aufweist, als Impfstoff bezeichnet wurde, ja, schlimmer noch, als mRNA-Impfstoff, obwohl sie eben keine natürliche Messenger-RNA enthält, sondern künstlich veränderte, sprich modifizierte modRNA. Um diese zu erzeugen, bedarf es eines komplizierten technischen Prozesses, womit sich dann auch jegliche Debatte über die Frage erübrigt, woher das "neuartige Virus" wohl stammen mag - vom Wildtiermarkt in Wuhan oder aus dem nur 300 Meter davon entfernten Hochsicherheitsreitslabor. (Dort arbeiten übrigens chinesische, amerikanische und europäische Forscher zusammen) . - Regel 2: Das sind die Grammatikikregeln, die es ermöglichen, komplexe Gedanken in eine klare sprachliche Form zu bringen.
- Regel 3: Die Regeln der Logik.
- Regel 4: Um einen Vorgang oder ein Ereignis umfassend verstehen zu können, ist es nötig, die Vorgeschichte zu kennen. Prospektive, von Computern generierte Modellrechnungen sind kein Ersatz für empirische Faktentreue, sondern vielmehr ein schweres Foul im Denk- und Sprachspiel!
Das Zeitalter der Aufklärung
Gehen wir also zurück zu den historischen Anfängen. Um das Jahr 1700 wurden hoch talentierte Menschen in ganz Europa von einer gemeinsamen Idee ergriffen: Allen Menschen sollten gleiche Rechte zustehen und alle sollten Zugang zum Wissen erhalten.
Universalgelehrte wie Descartes, Voltaire, Leibniz und Newton setzten sich für die Aufklärung der Bevölkerung ein, für deren Befreiung von kirchlicher und staatlicher Bevormundung. Gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten arbeiteten sie an einer großen Enzyklopädie, einer Sammlung des Weltwissens. Dieses damals noch unerfüllbar scheinende Projekt ist spätestens mit der Erfindung der KI durch ihre Nachfolger im 21 Jahrhundert verwirklicht worden. Vielleicht ist es nun also an der Zeit, jenen bedeutenden Forschern Aufmerksamkeit zu widmen, die sich vor 300 Jahren noch nicht durchsetzen konnten.
Warum sollten Glauben und Wissen einander ausschließen?
Ein Zeitgenosse der frühen Aufklärer war zum Beispiel der fromme Mathematiker, Erfinder und Philosoph Blaise Pascal. “Wir erkennen die Wahrheit nicht nur durch die Vernunft, sondern auch durch das Herz”, lautet eines seiner bekanntesten Zitate, “Alles ist eins und alles ist verschieden” ein anderes.
Alles ist eins und alles ist verschieden.
Von Pascal ausgehend könnten wir sicher eine lange Reihe bedeutender Dichter und Denker entdecken, die abseits der Hauptstraße des Materialismus blühten und Früchte trugen. Auch unter den Physikern, Chemikern, Biologen oder Geologen gibt es so manche, die uns etwas erzählen könnten, das in der elektronischen Enzyklopädie noch fehlt. Was diese Autoren faszinierte, war nicht der zählende, messende und berechnende analytische Verstand, sondern das Außen und Innen verbindende Bewusstsein. Ohne die Verdienste der Aufklärer schmälern oder negieren zu wollen, denke und glaube ich: Die Erforschung und Erweiterung des Bewusstseins ist die nächste und wahrscheinlich wichtigste Station auf dem abenteuerlichen Weg der menschlichen Vernunft.
Viel Freude und Erfolg mit dieser beglückenden neuen Aufgabe wünscht euch von Herzen
Alexandra
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